Ein postmigrantisches Festival, interdisziplinäre Inszenierungen, eine Werkstatt für zeitgenössische Theaterautor*innen, Performance im digitalen Raum oder ein interkultureller Projektraum in der Mülheimer Innenstadt: Die Projekte von vier.ruhr sind vielfältig, divers und künstlerisch herausfordernd. Sie verkörpern die verschiedenen Ausrichtungen der drei Theaterinstitutionen in Mülheim und ihre neuen Verbindungen untereinander.


Das Dekameron

Digitales Livetheater

Die Einleitung von Giovanni Boccaccios DAS DEKAMERON liest sich, also ob das, was wir gerade erleben, alles schon mal da gewesen ist. Die Pest tobt 1348 in Florenz, Menschen fürchten sich, gehen nicht mehr raus. Einige feiern das Ende der Welt, andere versuchen den Verfall der Sitten zu stoppen und die Moral aufrecht zu halten. In dieser Situation flüchten sieben Frauen und drei Männer vor der Seuche in ein Landhaus. Unfähig das Haus zu verlassen, beginnen sie sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, in denen mit der wankenden Ordnung, neuen Liebesbeziehungen und sozialer Fantasie gespielt wird. Wir haben zehn künstlerische Teams, die mit dem Theater an der Ruhr, dem Ringlokschuppen Ruhr und den Mülheimer Theatertagen „Stücke“ eng verbunden sind, eingeladen, Geschichten aus ihrem “Landhaus”, aus ihrer Quarantäne, zu erzählen und sie mit uns zu teilen.


vier.zentrale

Projektraum

Die vier.zentrale ist der gemeinsame Projektraum von vier.ruhr in der Mülheimer Innenstadt. Seit einigen Jahren gestalten Ringlokschuppen Ruhr, die Silent University und das Bildungsnetzwerk Innenstadt gemeinsam in der Innenstadt den Projektraum dezentrale. Jetzt ziehen Theater an der Ruhr und Mülheimer Theatertage „Stücke“ mit ein. Die dezentrale wird zu vier.zentrale und steht exemplarisch für das Zusammenspiel von Theater, Stadt und Gesellschaft. Gemeinsam werden neue Möglichkeiten ausgeschöpft, Veranstaltungen und Begegnungsformate zwischen Theater und Stadtgesellschaft realisiert. Der Raum in der Leineweberstr. 14-17, der von der bildenden Künstlerin Irene Pätzug neu gestaltet wurde, sollte ursprünglich am 9. Mai 2020 eröffnet werden. Auf Grund der aktuellen Corona-Pandemie wird der Termin voraussichtlich auf September 2020 verschoben und so bald wie möglich veröffentlicht.


Digitale Communities

Experimenteller Social Media Kanal

Mit der Untersuchung von hybriden Ästhetiken und neuen Produktionsweisen hinterfragen wir auch die Kommunikationswege und -formen mit unserem Publikum im Netz. Wir haben drei Künstler*innen engagiert, für das kommende Jahr die Social Media Kanäle von vier.ruhr zu bespielen. Die zentrale Drehscheibe ist unser Instagram-Kanal, der journalistisch Bezug auf das Programm von vier.ruhr nimmt, dabei aber auch immer wieder mit künstlerischen und narrativen Formen an der Schnittstelle von Theater, Kunst und Online-Medien spielt und experimentiert. Die künstlerische Social Media Redaktion besteht aus drei Künstler*innenpersönlichkeiten, jede bringt ihre eigene Mischung aus Performance, Bildender Kunst und Literatur mit:

Anna Júlia Feijó do Amaral hat in Porto Alegre (Brasilien) Schauspiel und Theaterwissenschaft studiert. Sie lebt jetzt in Bochum, wo sie ihr Aufbaustudium der Szenischen Forschung abgeschlossen hat und als Performerin in verschiedenen Theaterkollektiven tätig ist, z.B. dorisdean, notsopretty und tropicalrayo. Pooyesh Frozandeh hat in Teheran (Iran) Regie gelernt und studiert momentan in Bochum Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Als Performer und Tänzer ist er in Produktionen von Amirhossein Mashaherifard auf der Bühne zu sehen und realisiert als Regisseur eigene Projekte. Marie Sturm ist bildende Künstlerin. Sie malt, schreibt, ist Video- und Performancekünstlerin sowie Mitglied im kuratorischen Team der Galerie „Gold + Beton“ in Köln. Gemeinsam entwickeln diese Drei eine kreative Stimme und vierte Dimension im Netz. Sie schlagen neue Verbindungen und öffnen einen gemeinsamen digitalen Raum für Austausch mit und über Kunst, Theater und Gesellschaft.


StückeWerkstatt

Ein Projekt der Mülheimer Theatertage

Im Rahmen der StückeWerkstatt arbeiten 4 Autor*innen gemeinsam mit 4 Regisseur*innen frei von Zeit- und Konkurrenzdruck an einem Theatertext und dessen Umsetzung. Erfahrene Mentor*innen begleiten die Arbeit und renommierte Theaterhäuser geben den Tandems Raum, die Texte zu erproben.

Die Teilnehmer*innen der Mülheimer StückeWerkstatt 2020/21 sind:
Caren Jeß mit Petra Schönwald, Partner-Theater: Schauspiel Stuttgart
Anne Lepper mit Alia Luque, Partner-Theater: Schauspiel Hannover
Mehdi Moradpour mit Rieke Süßkow, Partner-Theater: Schauspielhaus Wien
Nele Stuhler mit Franz Xaver Mayr, Partner-Theater: Residenztheater München


HUNDERTPRO FESTIVAL Vol. 2

Ein Projekt des Ringlokschuppen Ruhr
Zweite Ausgabe am 10. Oktober 2020

Diverse Künstler*innen, vielfältige Formen – HundertPro geht in die zweite Runde! In der Hoffnung auf eine rasche Besserung der aktuellen Lage bereitet sich der Ringlokschuppen Ruhr auf die neue Ausgabe des Festivals vor und lädt postmigrantische Nachwuchskünstler*innen aus den unterschiedlichsten Genres ein, sich bis zum 17. Mai 2020 bewerben.

Für die neue Ausgabe werden auch in diesem Jahr Arbeiten von zeitgenössischem Tanz, Theater, Performance über Comedy, Stand Up, Spoken Word bis hin zu Physical Theatre und Cirque Nouveau gesucht. In kurzen und pointierten Slots werden wieder viele neue Arbeiten und Formate zur Aufführung gebracht. Ein Fest für die ganze Gesellschaft, HundertPro!


Unterwerfung /
Gegen den Strich

Eine Inszenierung am Theater an der Ruhr

Text: Houellebecq/Huysmans
Regie: Philipp Preuss
Premiere: 27. Februar 2020

Die Protagonisten aus Joris-Karl Huysmans Dekadenzroman „Gegen den Strich“ (1884) und Michel Houellebecqs Skandalroman „Unterwerfung“ (2015) sitzen beide an reich gedeckter Tafel und doch verzehren sie sich nach etwas, das ihren Hunger nach Sinn stillt. Während der eine dabei den radikalen Rückzug aus der Gesellschaft zelebriert, sieht sich der andere einem fundamentalen Systemwandel unter dem Vorzeichen des politischen Islam gegenüber.

„Ein wunderschöner Raum, der sehr intim wird […] und uns diese Geschichten, diese Verstellungen, diese Verstörungen der Figuren deutlich näher kommen [lässt] als wenn wir im Saal sitzen würden.“

Deutschlandfunk Kultur

Bilder und mehr Information auf
theater-an-der-ruhr.de


Der Untergang
der Titanic

Eine Inszenierung am Theater an der Ruhr

Text: Hans Magnus Enzensberger
Regie: Philipp Preuss
Premiere: 19. September 2019

Zwei Stunden und vierzig Minuten dauerte 1912 der tatsächliche Untergang der Titanic und noch heute geht dieser Dampfer immer wieder unter. Hans Magnus Enzensberger beschreibt in dreiunddreißig Gesängen diesen Untergang in verschiedenen Zeiten zwischen 1912 und 1978. Ebenso wechseln die Orte: Berlin, Havanna und auf den verschiedenen Decks der Titanic, die die sozialen Klassen auf dem Schiff trennten und damit auch die Chancen, auf eines der Rettungsboote zu gelangen.

„Es passt also furchterregend gut, wenn im Theater an der Ruhr Regisseur Philipp Preuss, sich jenem größten und inspirierendsten aller Schiffsunglücke widmet. […] Der Riß im Raum, die angekündigte Katastrophe, öffnet sich als elektronische Hörspiel-Installation – wie auch der ganze Abend ein raffiniert rhythmisiertes Klang-Spiel ist.“

nachtkritik

Bilder und mehr Information auf
theater-an-der-ruhr.de


HUNDERTPRO
Festival

Ein Projekt des Ringlokschuppen Ruhr

Erste Ausgabe am 05. Oktober 2019

Vielfältig, multiethnisch und postmigrantisch – unsere Gesellschaft befindet sich in einem stetigen Wandel. Diese Realität wird in einem neuen Festival (re-) präsentieren. Ein postmigrantisches Nachwuchsfestival im Marathon-Format! Auf zwei Bühnen waren insgesamt 16 Arbeiten von rund 53 Künstler*innen zu sehen. Von zeitgenössischem Tanz, Theater, Performance über Comedy, Stand Up, Spoken Word bis hin zu Physical Theatre und Cirque Nouveau standen hier die verschiedensten Kunstformen gleichberechtigt nebeneinander. 

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