Eine neue Theaterallianz für Mülheim

In Mülheim an der Ruhr gibt es drei sehr unterschiedliche, lebendige Theaterinstitutionen: Das Festival „Stücke“ für neue Dramatik, das Ensembletheater Theater an der Ruhr und das Koproduktionshaus Ringlokschuppen Ruhr. Gemeinsam bilden sie seit September 2019 die neue Theaterallianz vier.ruhr.

vier.ruhr steht inhaltlich für den Austausch der drei Institutionen und ihre verbindende vierte Dimension, mit deren schöpferischer Kraft sie in die Stadt Mülheim, das Ruhrgebiet und darüber hinaus künstlerisch agieren und wirken.

Die Akteure und assoziierten Künstler*innen von vier.ruhr begreifen Kunst und Theater als eine gesellschaftlich eingreifende Form der Kommunikation. Mit innovativen Formaten, Projekten und Kooperationen haben sie sich gemeinsam auf den Weg gemacht, Strategien der Zusammenarbeit zu (er)finden, um den Austausch untereinander und den Austausch zwischen Theater, Stadt und Gesellschaft zu stärken.

Im Rahmen des Förderprogramms „Neue Wege“ wird die Kooperation vier.ruhr, die früher den Arbeitstitel „Theaterstadt“ trug, vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRWKULTURsekretariat gefördert.


Theater an der Ruhr

Das Theater an der Ruhr wurde 1980 als alternatives Modell, als ein Ensembletheater neuen Typs gegründet. Es war der Versuch, eine ganz eigene Antwort auf die bis heute andauernde Debatte um die Strukturen in der vom Stadttheater dominierten Theaterlandschaft in Deutschland zu finden. Für die Gründer Roberto Ciulli, Helmut Schäfer und Gralf-Edzard Habben standen drei wesentliche Gedanken im Zentrum: Das Primat der Kunst gegenüber dem Apparat, die Idee des Ensembles, das alle Mitglieder des Theaters einschließt, mit gleichen Verträgen und die Idee des Reisens, das Theater ist inzwischen in mehr als 50 Ländern gewesen und hat Künstler aus diesen Ländern nach Europa und Mülheim geholt. Der Sitz des Theaters im historischen Jugendstilgebäude am Raffelbergpark ist heute ein Ort für zeitgenössisches Theater und Kunst, der sich modischen Kompromissen entzieht, offene, mehrsprachige Diskurse und internationale Begegnungen stiftet – ein Denkraum der Diversität. 

www.theater-an-der-ruhr.de

Ringlokschuppen Ruhr

Der Ringlokschuppen Ruhr ist ein Haus für zeitgenössisches Theater, Performance, Tanz und Popkultur. Regional und international agierende Künstler*innen, aktuelle Gesellschaftsdiskurse und vielfältige Kunstformen treffen hier aufeinander. Die meisten Koproduktionen des Ringlokschuppen Ruhr entstehen in Mülheim und sind oft über Jahre, teilweise weltweit auf Tour. Das Koproduktionshaus ist sowohl innerhalb der freien Szene vernetzt als auch Partner zahlreicher Stadttheater. Damit durchbricht der Ringlokschuppen Ruhr immer wieder die Grenzen zwischen performativen und repräsentativen Ästhetiken. Zudem präsentiert das Haus die Programmreihe KulturGut.Ruhr mit Kabarett-, Comedy- und Konzertabenden.

Neben einer Vielzahl von Arbeiten im Theater initiiert der Ringlokschuppen Ruhr regelmäßig partizipatorische Projekte im Stadtraum, wie aktuell die Silent University Ruhr – eine Plattform für geflüchtete Akademiker*innen in der Mülheimer Innenstadt. Das Langzeitprojekt ist seit 2015 nicht nur zu einer wichtigen Anlaufstelle in der Innenstadt geworden, es setzt darüber hinaus Impulse für die Fortentwicklung der Mehrsprachigkeit und die Diversifizierung des gesamten Hauses.

www.ringlokschuppen.ruhr

Mülheimer Theatertage „Stücke“

Seit fast einem halben Jahrhundert bieten die Mülheimer Theatertage deutschsprachigen Autor*innen ein Forum für neue Werke. Beim „Stücke“-Festival sind Jahr für Jahr renommierte Theater aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Mülheim zu Gast. Sie zeigen die besten aktuellen Theatertexte, deren Autor*innen um den Mülheimer Dramatikpreis sowie den Mülheimer KinderStückePreis konkurrieren. Im Zentrum stehen in Mülheim die Stücktexte, nicht deren Inszenierung. Diese Konzentration auf den Text macht das Festival einzigartig. Dabei sind die Mülheimer Theatertage stets offen für neue Formen der Autorschaft. Sie laden ein, Fragen des szenischen Schreibens zu reflektieren und die Rolle des Textes im Theater zu diskutieren.

www.stuecke.de